Mut zum Glücklichsein
08.08.2009 11:41, Marie-Theres Euler-Rolle
Heute Nachmittag eine überraschende Nachricht von einer Bekannten aus Athen. Sie schreibt vom "Mut zum Glücklichsein" und dass ich mein Glück genießen soll. Mehr nicht. Ich freue mich über ihr Schreiben, und es hinterlässt einige Fragezeichen. Braucht es Mut zum Glücklichsein? Fehlt es daran - individuell wie global - vielleicht gerade jetzt allerorts? Hat dieser Mut auch etwas mit meiner Leidenschaft für meine Arbeit zu tun? Bedingt Mutlosigkeit Glücklosigkeit?
Ich habe Lust, dieses Thema an den Anfang meines Blogs zu stellen. Die Suche nach dem Glück in möglichst vielen Lebensbereichen, das ist es doch, was uns antreibt. Für die Momente, in denen wir zufrieden sind, sind wir bereit, unsere gesamte Energie einzusetzen. Zufrieden mit uns, mit dem, was wir empfinden, erreicht haben, von anderen zu hören bekommen, wo keine Wünsche offen bleiben. Und wir stellen immer wieder fest, das Glück lässt sich nicht kaufen. Vieles bleibt unbefriedigend und unbefriedigt, vor allem, wenn das Außen nicht im eigenen Inneren Resonanz findet.
Der Mut zum Glücklichsein – ich glaube, er hat für mich viel damit zu tun, den Mut zu entwickeln, an sich zu arbeiten, persönlich zu wachsen, das Glück aktiv anzuregen und anzugehen und die Steinbrocken auf dem Weg klein zu kriegen oder beiseite zu räumen.
Nach über einem Jahrzehnt Fernsehjournalismus in durchaus angenehmer Position, wurde meine eigene Suche vor sechs Jahren plötzlich radikal. Ich wollte mehr. Mehr gestalten, mehr verändern, mehr zu sagen haben. Ich verließ alles sichere Terrain im öffentlich-rechtlichen Rundfunk für einen nebulosen Neubeginn. Und habe nie bereut.
Seither treibt mich die Freude und der Ehrgeiz, mich und andere über sich selbst hinauswachsen zu lassen. Meine Erfahrung einzusetzen, um diesen Mut zu kreieren. Ich will das Besondere, das ganz Spezielle, Individuelle im Menschen in seiner Kommunikation, seinem Auftreten helfen, herauszukitzeln und sichtbar zu machen.
Glücklichsein ist Ganz-Ich-Sein. Ist sich glaubwürdig vertreten, mit ganzem Herzen, viel Hirn und allen Sinnen für die eigenen Ziele eintreten zu können. Ist alle Ängste und Barrieren, die zwischen mir und anderen liegen, die hemmen, einschränken, dem Image schaden, den Führungsqualitäten schaden, zu bearbeiten und zu überwinden.
Diese Befreiung macht glücklich. Sie ist ganz persönlich und sie hat viel mit dem Sprengen eigener Grenzen zu tun. Anders umgehen mit Fehlern. Neu reagieren bei Kritik. Spielerisch werden mit sich selbst. Das ist ein Feld, in dem niemand von uns auslernt, ganz gleich, ob wir im Management tätig sind und Leitlinien erfolgreich vorgeben, das Unternehmen als Leader durch eine dicke Krise manövrieren müssen, öffentliche Statements abgeben oder uns um einen neuen Job bewerben.
Gibt es nicht viel zu wenig laute, leidenschaftliche Stimmen, die andere Menschen emotional wie geistreich bewegen? Die Führen im Reden mit ganzer Selbst-Verantwortung übernehmen? Die den Mut haben, sich in allen Lebenslagen authentisch zu vertreten und einzustehen für die eigene Sache?
Das kann Mut zum Glücklichsein bedeuten. Das kann Glücklichsein bedeuten. Wer weiß, wo uns das hinführen würde, wenn es deutlich mehr davon gäbe! Persönlich, ökonomisch, politisch, moralisch!
Kommentare
Ein sehr motivierender Eintrag, liebe Marie-Theres!
wunderschön!!!! versuche seit langen danach zu leben, schön langsam nähere ich mich dem angestrebten an...jeden tag ein neuer weg und immer wieder neuer mut! und immer wieder neue ziele zum glück!
Liebe Marie-Theres, gratuliere zu diesem Einstiegsblog!
ich gratuliere dir herzlich zu deinem gelungenen Blog!! Die Texte sind sprachlich ganz, ganz toll, sind herrlich inspirierend und regen so richtig zum Nachdenken an - und hoffentlich auch zum Handeln ;-)
Freu mich schon sehr auf deine nächsten Themen!
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